Die Geister, die ich rief…

Hallo Klardenker,

dass 2026 so manche Turbulenzen und Unbehagen für uns bereit halten würde, das haben wir wohl erwartet – vielleicht nicht gleich so früh im Jahr und nicht so vielschichtig. Oder gab es nicht doch genügend Hinweise und Ankündigungen? Auf jeden Fall erleben wir direkt wie der Verlauf der Geschichte der Welt neu geschrieben wird und die Ausmaße des Ganzen können wir noch nicht wirklich abschätzen. Es vollziehen sich aktuell globale Verwerfungen, die auch uns erreichen – hoffentlich bleibt es „nur“ bei wirtschaftlichen Folgen. Wir sind alle irgendwie life dabei – oder eigentlich doch nicht, denn wir sehen nur ausgesuchte Bilder, während uns ausgewählte „Experten“ den gewünschten Kommentar ablesen – Kameraeinstellungen vom wirklich menschlichem Elend haben den Zuschauer der „Macht um 8“ noch nicht erreicht.

Schritt für Schritt sollten wir ja kriegstüchtig gemacht werden – zum Beispiel auch durch die allmähliche Veränderung der Sprache. Das Wort Rüstung wird immer öfter von dem beruhigenden Wort Sicherheitstechnik abgelöst – klingt doch auch viel netter. So kann man die taumelnde Industrie besser und von den Massen akzeptiert in die Rüstungswirtschaft überführen – zum Wohle der Arbeitsplätze…… Wirklich kampfbereit ist die Allgemeinheit hierzulande jedenfalls nicht. Vor allem die Jungen folgen dem Ruf zur Armee nicht – im Gegenteil, sie haben mit Friedensdemonstrationen begonnen. Warum sollten sie auch für ein Land einstehn, für das sie keinen Stolz und keine Verbundenheit empfinden dürfen und das für ihre eigene Entwicklung und eine gewisse Lebensleichtigkeit so wenig tut. Ich sehe aber auch, dass junge Menschen schon in den Schulen von der Armee angeworben werden. Versprechen von gutem Verdienst und Anerkennung im Beruf und der Gesellschaft sind so alt wie es Armeen gibt. Was Krieg wirklich heißt, das ahnen sie nicht einmal. Plötzlich gibt es Alarm in den Spaß- und Businessregionen Dubai und Abu Dhabi – bis eben unvorstellbar. Wer dort schon mal war, dem erscheint dies in der Tat unwirklich – schließlich fühlt man sich in dieser künstlich geschaffenen Oase wie in einer Wunschwelt. Zur Zeit der ersten Drohnenangriffe war Markus Langemann eben dort und seine Beschreibungen des Erlebten sind so authentisch und nachvollziehbar, dass ich seinen Beitrag hier einstellen möchte.

Boris Reitschuster schrieb gestern:

„Heute früh habe ich den Fehler gemacht, auf die Seite von X – früher Twitter – zu gehen. Iran. USA. Krieg. Weltuntergang. Und bei jedem zweiten Beitrag staune ich, wie viele Menschen plötzlich Nahost-Experten sind. Strategen. Völkerrechtler. Geheimdienstkenner. Nein, das machte mich nicht „wütend“ – obwohl da sehr viel Wut zu spüren war. Es machte mich traurig. Und ratlos: Die gereizte Tonlage, die so klingt, als genieße man die Aufregung. Die Gewissheit, im Besitz der Wahrheit zu sein. Die Aggressivität gegen diejenigen, die eine andere Meinung haben. Die in Zement gefassten Weltbilder. Der reflexhafte Hass auf die jeweils andere Seite, das reflexhafte Schwarz-Weiß. Ich saß vor dem Computer, las all das und dachte: Das ist nicht (mehr) meine Welt. Nicht, weil ich keine Meinung hätte. Sondern weil ich nicht Teil dieser Dauererregung sein will. Und weil ich mich frage, ob ich es nicht war. Zumindest teilweise ja, leider. Mehrere Leser haben mich gefragt, warum ich nichts zum Iran schreibe. Die Antwort ist unspektakulär: Ich bin kein Iran-Fachmann. Ich bin kein Nahost-Analyst. Und kein USA-Experte. Ich habe keine eigenen Quellen in Teheran oder Washington. Ich kann nichts beitragen, was nicht zehn andere bereits gesagt haben – meist lauter, oft schriller. Und ich habe mir vorgenommen, nur dort zu schreiben, wo ich etwas Substanzielles beisteuern kann. Früher hätte ich vielleicht trotzdem etwas geschrieben. Weil es erwartet wird. Weil man Position zeigen muss. Weil das Publikum wissen will, „wo man steht“. Aber genau das finde ich erschreckend: Wir leben in einer Zeit mit einem „Haltungs-Druck“ – wo wie in Religionskriegen erwartet wird, dass man öffentlich Position bezieht. Und wehe, man tut das nicht. Dann ist man für viele sofort ein Feind. Einer der „anderen“. Ein Aussätziger. Früher hielt ich das für ein Monopol von Rot-Grün-Links. Aber da war ich wohl etwas naiv und einseitig. Denn leider, leider, herrscht auch im anderen Lager, dem, dem ich mich selbst zuordne, alles andere als Resilienz gegen diese Unsitte. Ich würde fast sagen: Das ist ein kultur- und lagerübergreifendes Phänomen. Leider. Ich will da nicht (mehr) mitspielen. Ich muss nicht zu allem eine Haltung demonstrieren.“

 

Seine Einstellung kann ich absolut verstehen. Ich habe schon mehrfach beklagt, dass ich auch in den neuen Medien bei so manchen Formaten ein „Sichüberbieten“ mit News und Mutmaßungen beobachte und dabei oft mit der Sorge und Angst der Leser und Hörer „gespielt“ wird. Alle brauchen die Clicks und den „Daumen hoch“, um die Position zu erobern. Es wird einem nicht immer leicht gemacht, die seriösen Gedankengeber und Journalisten zu finden. Dabei hat natürlich jeder Rezipient seine Favoriten und Lieblinge – meine haben sie mit der Zeit kennen gelernt. Bei allem „Fremd-Input“ wäre es gut, die eigenen Erfahrungen und Gedanken zu pflegen. In den letzten Monaten wird ein neuer „Medienstar“ in den Öffentlichen massiv eingeführt und ich musste schmunzeln, dass Herr Reitschuster dies auch beschreibt:

Reitschuster

Es gibt einen Begriff dafür, den der Medienwissenschaftler Neil Postman, einer meiner Lieblingsautoren, schon in den 1980ern geprägt hat: „Journalismus als Unterhaltung“. Nicht Unterhaltung im guten Sinne, sondern als Vermeidung von Zumutung. Der mittelmäßige Journalist ist strukturell bevorzugt, weil er den Zuschauer nicht herausfordert.

Das Problem: Die Ronzheimerisierung richtet einen echten demokratischen Schaden an. Ein Publikum, das glaubt informiert zu sein, aber es nicht ist, ist schwerer zu erreichen als eines, das weiß, dass es nichts weiß. Halbwissen schützt sich selbst. Und gerade bei Konflikten wie Ukraine oder Gaza, wo Sprachkenntnisse und Kulturverständnis buchstäblich den Unterschied zwischen Propaganda und Realität ausmachen, ist das kein akademisches Problem. Der Leser einer unabhängigen Website belohnt ja mit seiner freiwilligen Unterstützung im Grunde genau das, was das System nicht bietet. Er zahlt für den Eigensinn. Für die Zumutung. Für jemanden, der ihm manchmal sagt, was er nicht hören will. Das ist paradoxerweise Ihr Qualitätsbeweis. Ronzheimer ist ein klassischer Vertreter des „Kriegsreporter-Brands“ – der Journalist als Marke, als Gesicht, als Abenteurer. Das Produkt ist weniger der Inhalt als die Person selbst. Ob Ukraine, Israel oder Gaza – er ist der Experte, einfach weil er hingeflogen ist und eine Kamera dabei hatte. Die Sprachkompetenz, Quellen haben, die nicht durch einen Dolmetscher gefiltert werden, das kulturelle Tiefenverständnis, die jahrelange Beschäftigung mit einem Thema – das ist in diesem Modell irrelevant, ja fast hinderlich, weil es die Geschichte komplizierter macht als das Publikum angeblich verträgt. Die eigene Begrenzung zu kennen und zu respektieren – das sollte eigentlich das Grundprinzip von seriösem Journalismus sein. Ronzheimer steht für die Pervertierung dieses Prinzips. Das Gefährliche daran: Ronzheimer & Konsorten vermitteln dem Publikum das Gefühl, informiert zu sein, ohne dass sie es wirklich sind. Ein Reporter, der ohne Sprachkenntnisse in ein Land fliegt, ist auf offizielle Quellen, Pressekonferenzen und englischsprachige NGO-Sprecher angewiesen – also genau auf jene Kanäle, die am stärksten narrativ geformt sind. Das ist keine Berichterstattung, das ist Narrative-Recycling mit Augenzeugengestus. Es geht um eine Erscheinung im Journalismus, die ich für fatal halte: Dass Show-Journalisten, die sich offenbar für allwissend und in allem kompetent halten, immer mehr diejenigen verdrängen, die sich in einem bestimmten Themengebiet oder Land auskennen. Nehmen Sie als Beispiel den Krieg im Iran: Da gibt es Korrespondenten, die sich bestens auskennen, jahrelang im Land lebten und die Sprache beherrschten. Doch im Krisenfall ist es dann jemand wie Ronzheimer, der, trotz fehlender Landes- und Sprachkenntnisse, sich berufen fühlt, den Leser und Zuschauern alles zu erklären. Das Ganze hat Methode – die gebührenfinanzierten Fernsehsender wie ARD und ZDF wechseln ihre Auslandskorrespondenten alle paar Jahre und schicken sie dann in der Regel, sobald sie anfangen, das Land halbwegs zu verstehen und die Sprache zu lernen, wenn überhaupt, wieder in ein anderes Land – von dem sie keine Ahnung haben. Hauptsache, das Gesicht ist bekannt.“

 

Das ist immer noch ein Problem, dass oft nur nach „Gesichtern“ gewählt wird und nicht nach Inhalten – bzw. die Informationen der Favoriten als das allein Gültige genommen werden. Getrieben vom eigenen Wunschdenken wird dann eben nur diese/ eigene Meinung akzeptiert. Wie sehr fehlt zum Beispiel gerade heute ein Peter Scholl-Latour, der mit Kompetenz und Neutralität berichtet hat.

Mit Trumps Befehl zum Angriff auf den Iran wurden bei vielen Hoffnungen zerstört, die sie mit seiner Amtszeit verbunden haben. Bei dem Friedenspräsidenten der ersten Amtszeit wurde offensichtlich ein Schalter umgelegt – es wird ja wohl nicht nur die maßlose Enttäuschung sein, dass er den Friedensnobelpreis nicht bekommen hat? Nun ist ein Spiel mit dem Feuer entfacht. Nach jetzigem Stand, kann man den Eindruck gewinnen, dass sich Trump verzockt hat? Es läuft bei Weitem nicht so glatt, wie er es großspurig nach Trump-Manier von sich gibt. Den obersten Religionsführer abzuknallen war wohl so, als würde es den Papst getroffen haben – nur, dass die europäischen Anhänger nicht so impulsiv reagieren würden. Auf jeden Fall ist das iranische Volk nicht auf die Straße gegangen, um seinen Peinigern den Kampf anzusagen und eine Revolution anzufachen. Das hatte man von amerikanischer Seite sicher erhofft – nur so einfach ist es eben nicht. Die Geschichte US-amerikanischer Kriege scheint sich zu wiederholen.

Home-Office 626 – Requiem for a Nightmare

Knapp 48.000 US-Dollar verschlingt der militärisch-industrielle Komplex der USA — pro Sekunde. Auf das gesamte Jahr gerechnet sind das 1,5 Billionen Dollar. Es wird eine Maschinerie gefüttert, für die Vernichtung scheinbar einen wirtschaftlichen Selbstzweck darstellt. Und in der Tat bilden der Kongress, das Pentagon und die Rüstungsfirmen ein unheilvolles Trio infernale, welches mit gigantischen Steuermitteln einen Kreislauf des Tötens am Leben erhält. Der Kongress, das Pentagon und die Rüstungsfirmen ein unheilvolles Trio infernale. Der Schaden, den der Militärisch Industrielle Komplex anrichtet, erstreckt sich auf oft irreparable Umweltschäden, die Vergiftung von Ökosystemen, den verheerenden Verlust der Artenvielfalt und den Kohlenstoff-Fußabdruck des US-Militärs, der größer ist als der jeder anderen Organisation auf der Erde. (Quelle Manova Artikel – Kreislauf des Krieges)

Folge der Spur des Geldes – es scheint sich wieder zu bestätigen. Im „Annual Threat Assessment 2025“ – jenem Bericht, der von nicht weniger als achtzehn amerikanischen Nachrichtendiensten gemeinsam verantwortet wird – findet sich eine bemerkenswert klare Passage. Dort heißt es, wörtlich:

„Wir schätzen weiterhin ein, dass der Iran keine Atomwaffe baut und dass Khamenei das Nuklearwaffenprogramm, das er 2003 ausgesetzt hat, nicht wieder autorisiert hat – obwohl der Druck auf ihn wahrscheinlich zugenommen hat.“
Dieser Satz steht schwarz auf weiß im offiziellen Lagebild der amerikanischen Intelligence Community.

Das erinnert doch stark an die damalige Behauptung, dass der Irak im Besitz von Bomben sei, die man dann nie fand…. alles wiederholt sich? Im Moment halten sich Russland, China, die Brics-Staaten merklich zurück. Trump ruft nun die Natoländer zur Unterstützung in der Straße von Hormus auf – dagegen steht die Drohung der Mullahs, jedes Schiff zu versenken, das passieren würde…… Heute kam dazu die Absage der europäischen Staaten an Trump. Wie weit eine Beteiligung dann doch noch erzwungen werden kann, werden wir erleben.

Ja , je mehr man versteht, desto ohnmächtiger kann man sich fühlen. Sorgen und Ängste sind absolut verständlich. Es gibt das alte Sprichwort – wer zu tief in den Abgrund blickt, der kann von ihm verschluckt werden. Das stimmt wohl. Was hilft uns nun, mit all dem gesund umzugehen? Ich denke, dass es schlimmer wird, wenn man sich verkriecht und zurück zieht – nichts hören – nichts sehen – nichts sagen ….. Den Weg des gesunden Maßes zu finden, sich den Dauerinformationen zu entziehen und dennoch die Augen nicht ganz zu verschließen, fordert eine gewisse Übung. Am Ende geht es um die eigene Gesundheit. Es hilft, aktiv zu werden – sich Gleichgesinnte zu suchen – zum Beispiel auf Vorträgen, Kongressen, Treffen von Friedensbewegten…. Es gibt richtig gute Bücher, in denen die aktuellen Themen sachlich und kompetent beleuchtet werden und die man beiseite legen kann, wenn einem danach ist oder man eine Pause braucht.

Fakt ist und bleibt : KRIEG IST KEINE OPTION !!!

Wir sollten alles daran setzen, dass wir nicht hinein gezogen werden. Manchmal gehört dazu auch Mut – NEIN zu sagen. Frau Krone-Schmalz hat einen kurzen Vortrag zu Thema Mut gehalten, den ich ganz wunderbar finde und ihn hier als Schlusspunkt setze.

Gabriele Krone-Schmalz – zum Thema Mut

Passen Sie gut auf sich auf

Christiane Clauss-Ude

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