Armes reiches Land

Hallo Klardenker,

die Gnade der Geburt auf diesem Teil des Planeten ist mir durchaus bewusst. Wir leben in einem wunderschönen Land, das mit seiner natürlichen und kulturellen Vielfalt kaum einen Wunsch offen lässt. Und wir leben im Wohlstand, der bei genauerer Betrachtung der Entwicklung der letzten Jahre sich mehr und mehr als fragiler Scheinwohlstand entpuppt. Alleine die Tatsache, dass es von Berufs wegen inzwischen diverse Armutsforscher gibt, kündet von deren Existenz.

Im Vergleich zu anderen Ländern gibt es in Deutschland seit langem einen relativ starken Sozialstaat. Oder sollte man besser sagen, dass wir vor allem erst einmal eine so ausgebildete und gründliche Bürokratie und Verwaltung haben, die so gut wie jede soziale Notlage rechtlich erfasst. Die sozialpolitische Bearbeitung bzw. Verbesserung steht dann auf einem anderen Blatt. Maßnahmen vom Kindergeld über das Wohngeld bis hin zur Pflegeversicherung sind Zeugnis dafür, dass ein großer Teil der Bevölkerung nicht mehr in der Lage ist, das Leben als Familie mit Kindern, zu Zeiten von Krankheit oder Pflegebedürftigkeit, Arbeitslosigkeit und im Alter selbstständig zu schaffen.

Die Politik des Sozialstaates ist bisher nicht darauf angelegt, die Ursachen dieser Misslagen des Einzelnen zu beseitigen, sondern diese Notlagen wirtschafts- und staatsnützlich zu verwalten. Während des Studiums „durfte“ sich in der DDR ja jeder einmal mit dem „Kapital“ von Marx beschäftigen, was aus heutiger Sicht gar nicht so nutzlos war. Vieles, was mir heute begegnet, lässt Erinnerungen an das Gelesene aufkommen. Die Eigentumsfrage steht im Zentrum. Die Trennung zwischen Besitz und Bedürfnisbefriedigung ist das entscheidende Prinzip der kapitalistischen Gesellschaft.

Wirkliche Autarkie bzw. als Selbstversorger zu leben ist heute fast nicht möglich und gelingt nur den Wenigsten. Das ist Resultat eines historischen Prozesses, in dem sich Eigentümer von Geldvermögen sowie Grund- und Bodenbesitz und der Besitz der Produktionsmittel herausgebildet haben, während viele – vor allem die Bauern vom Land und die Arbeiter in den Städten – von ihren früheren Lebensgrundlagen getrennt wurden.

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Das Märchen vom reichen Land: Wie die Politik uns ruiniert von Prof.Daniel Stelter

Buchempfehlung:
Das Märchen vom reichen Land: Wie die Politik uns ruiniert von Prof.Daniel Stelter

Professor Stelter schreibt:

„Ausschluss vom Reichtum fängt also nicht da an, wo Menschen arbeitslos werden, wo sie unter dem Hartz-IV-Regime verarmt werden oder wo man ihnen sogar lebenswichtige Nahrungsmittel, Medikamente oder Wohnraum vorenthält. Ausschluss von den Mitteln der eigenen Interessensverfolgung und Ausschluss von den Mitteln, um nützliche Dinge für die Bedürfnisbefriedigung herzustellen, konstituieren geradezu diese Gesellschaft.“

Mit der modernen Lohnabhängigkeit ist defakto jeder Arbeitnehmer in Unselbstständigkeit und Abhängigkeit geraten.

Schon Goethe schrieb:„Bringst du Geld, so findest du Gnade; sobald es dir mangelt, schließen die Türen sich zu“.

Es bleibt nur, den eigenen Körper, seine Kraft, sein Wissen, seine Fähigkeiten, seine Nerven und seine Zeit auf dem Arbeitsmarkt anzubieten. Arbeit macht nicht jene reich, die sie verrichten, sondern die, die für die sie arbeiten. Deshalb geht die so genannte Schere zwischen Armut und Reichtum immer weiter auseinander. Armut (als Abweichung vom Normaleinkommen definiert)ist in Deutschland nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel geworden – und wir haben uns schon daran gewöhnt !

Paul Breitner (ehemals Bayern München) hilft seit über 10 Jahren bei der Tafel mit und sagte in einem Interview:

„Inzwischen weiß ich, dass kaum ein Politiker weiß, worum es überhaupt geht. Keiner! Viele Dutzend Politiker sagten mir: Das muss ich mir mal anschauen. Es waren zwei – zwei! – in all den Jahren da. Es interessiert die gar nicht. Die haben keine Ahnung, was es bedeutet, wenn du am 20. oder 21. des Monats einer 75-Jährigen einen Salat geben willst, und die alte Frau sagt: Herr Breitner, es macht keinen Sinn, ich habe kein Essig und kein Öl und nur noch 1,20 Euro, weil mir am Anfang des Monats was kaputt gegangen ist, das mich 40 Euro gekostet hat, wo ich doch nur 280 Euro im Monat hab.“ Die Arbeit der „Tafeln“ ist allgegenwärtig und nimmt ständig zu (auch ohne Migranten). Kinder, die ohne Essen oder witterungstaugliche Kleidung in die Schulen kommen, sind Gesprächsthemen genauso wie die Preissteigerungen notwendiger Medikamente und die unübersehbare Zunahme von Zahnlücken, weil die Kosten für Zahnersatz unerschwinglich geworden sind. Der Beispiele gibt es genug.

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Andreas‘ Vermächtnis

Diese DVD war Teil seines Wirkens und ist ein Vermächtnis an all die Freigeister in diesem schönen Land.

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Das Deuschlandprotokoll II

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Neuauflage 2017

Andreas Clauss

Das Deuschlandprotokoll IIals Buch im Fischer-Verlag erhältlich

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Die mantraartige Wiederholung in sämtlichen Medien des Spruchs „Ein reiches Land wie Deutschland….“ tut nur noch bedingt ihre Wirkung, aber sie tut es noch. Zumindest so lange, bis der Einzelne mal an den Punkt kommt, zu bemerken, dass Dies oder Jenes inzwischen erheblich teurer geworden ist. Innerhalb Europas bestehen beträchtliche Unterschiede zwischen dem, was Arbeitnehmer verdienen. Mit großem Abstand auf dem ersten Platz steht die Schweiz: Der durchschnittliche Nominallohn in der Schweiz ist mit rund 72.000 Euro beinahe fünf Mal so hoch wie in Estland (13.000 Euro), das im Vergleich auf dem letzten Rang steht. Deutschland bewegt sich im Mittelfeld – knapp hinter Großbritannien und knapp vor Frankreich. Der durchschnittliche Nominallohn beläuft sich hierzulande auf rund 44.000 Euro.

Wir haben die 2.höchste Abgabenlast nach Belgien. Laut Europäischer Zentralbank liegt das Vermögen je Haushalt in Deutschland bei rund 66.000,-Euro. Italien liegt bei mehr als 120.000,- / ebenso Frankreich. Auch im Vergleich bei Grundbesitz stehen wir nicht besonders gut da. Gestern wurde uns wieder eine Erhöhung der Renten in Aussicht gestellt – die zusätzlich anfallende Versteuerung wurde nicht gleich mitgenannt. Dass Deutschland im Ländervergleich der Höhe der Renten bei weitem nicht so gut dasteht, das spricht sich langsam rum. Der Begriff der Altersarmut ist inzwischen geläufig und wir kriegen scheibchenweise mitgeteilt, welch große Lawine da auf uns zurollt. Derzeit leben 4,2 Mio Rentner von weniger als 1000,- Euro im Monat und 1.070.000 Menschen sind Grundsicherungsempfänger.

Wer in Deutschland eine gesetzliche Rente ohne Abzüge erhalten will muss 45 Jahre lang gearbeitet haben. Auch hier schneidet Deutschland schlechter als andere EU-Länder ab. In Frankreich reichen schon 41 Jahre Arbeit, Italiener müssen nur 40 Jahre arbeiten und Spanier und Griechen sogar nur 35 Jahre, um die volle Rente zu erhalten. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass in Spanien und Griechenland aufgrund der Schuldenkrise das Renteneintrittsalter nach hinten verschoben wurde. Die Unterschiede zwischen den EU-Ländern sind auch beim Anteil der älteren Erwerbstätigen bemerkbar: In Deutschland gehen rund 60% der 55-64-Jährigen arbeiten, während es in Frankreich nur 41% sind und in Italien und Griechenland sogar weniger als 40%. Im internationalen Vergleich gibt es zum Beispiel in den Niederlanden eine Mindestrente von 1000,- Euro, Österreich hat nicht nur höhere Renten, sondern zahlt seinen Rentnern z.B. Urlaubs-und Weihnachtsgeld.

 

Rentenniveau in der EU
(in Prozent zum Nettoverdienst)

Kroatien 129.2
Niederlande 100.6
Portugal 94.9
Italien 93.2
Österreich 91.8
Ungarn 89.6
Bulgarien 88.9
Luxemburg 88.4
Slowakei 83.8
Zypern 82.6
Spanien 81.8
Dänemark 80.2
Frankreich 74.3
Litauen 71.2
EU-Durchschnitt 70.6
Belgien 66.1
Finnland 65
Lettland 59.9
Estland 57.4
Slowenien 56.7
Schweden 54.9
Griechenland 53.7
Rumänien 51.6
Deutschland 50.5
Irland 42.3
Malta 41.9
Polen 38.6
Großbritanien 29

Buchempfehlungen

Das Märchen vom reichen Land: Wie die Politik uns ruiniert von Prof.Daniel Stelter

Das Maerchen vom reichen Land-190503091249

Wir leben in Deutschland in der scheinbar besten aller Welten, doch schon bald werden wir feststellen, dass wir nicht das reiche Land sind, das uns Medien und Politik glauben machen wollen. Denn der Boom der hiesigen Wirtschaft ist nicht unser Verdienst, sondern in erster Linie eine Folge der tiefen Zinsen, des schwachen Euro und des Verschuldungsexzesses im Rest der Welt. Um unseren Wohlstand zu sichern, müssten die regierenden Politiker den aktuellen Aufschwung nutzen, um in Infrastruktur, Bildung und Digitalisierung und somit in die Zukunft des Landes zu investieren. Doch stattdessen werfen sie das Geld für höhere Renten und Sozialausgaben zum Fenster raus.

In seinem neuen Buch zeigt Daniel Stelter, einer der klarsten und profiliertesten Denker in Sachen Ökonomie: Wenn wir weitermachen wie bisher, wird nicht nur unsere Wirtschaftskraft in den kommenden Jahren rapide sinken, sondern nachfolgende Generationen werden die finanziellen Lasten, die uns heutige Politiker aufbürden, nicht stemmen können. Es droht der volkswirtschaftliche Kollaps. Doch der Bestsellerautor entlarvt nicht nur das Märchen vom »reichen Land« als eben solches, er zeigt auch konkrete Wege auf, wie wir dem Albtraumszenario entgehen können

das Buch lesen

rentner-190503102536Das hochgelobte Luxemburg zahlt bereits nach 12 Jahren Arbeit zum Mindestlohn eine Altersrente von 649,- ab dem 65.Lebensjahr – nach 20 Jahren 900,-.Nach 40 Jahren Arbeit mit „Normallohn“ würde man mit 60 Jahren etwa 3.450,- / nimmt man den Abzug zum Krankenkassenbeitrag dazu, bleiben rund 2.800,-. Ein Mindestlohnempfänger, der nach 40 Jahren nie mehr verdient hat, bekommt 1.841,- Mindestrente. Die Beitragsrückstellungsreserven reichen in Luxemburg für 4 Jahre Zahlungsfähigkeit – in Deutschland für 2 Monate. Ohne das gesamte System von Luxemburg jetzt auseinander zu nehmen, bleibt wohl ein entscheidendes Geheimnis dafür, der Fakt, dass einfach JEDER ins Rentensystem einzahlt.

Das Erste, was hier geändert werden müsste. Den Begriff „Pflegenotstand“ möchte ich nur kurz erwähnen. Das Wort ist längst in den täglichen Sprachgebrauch übergegangen. Wir alle wissen, was sich dahinter verbirgt. Wir wissen um die schlechte Bezahlung der hart arbeitenden Pflege- und Betreuungskräfte in Heimen und Krankenhäusern. Wer in die Situation kommt, einen Angehörigen in einer Pflegeeinrichtung unterzubringen, der ist mal live dabei und kriegt meist erst dann mit, wie hoch die Herausforderungen für das Personal sind. Respekt.

Und doch sind wir nach wie vor geduldig.

Das Blabla der Politiker –„ man müsste…., es soll….., wir werden….“ – all das können wir zur Zeit in Vorbereitung auf die Europawahl wieder bis zum Erbrechen hören. Die Parolen der aufgestellten Wahlplakate scheinen mir tatsächlich noch hohler, als beim letzten Mal. Laut geltender „Armutsdefinition“ gilt als arm ist, wer weniger als 50% des Medianeinkommens bezieht. „Teuerung in Deutschland auf höchstem Stand seit Jahren“, titelt die „Thüringer Allgemeine“. Ja, teurer wird fast alles – oft schleichend und manchmal sprunghaft. Im letzten Jahr sind die Lebensmittelpreise um ca. 3% gestiegen – die Brotpreise um 17% . Die Bahnpreise stiegen um gut 30% und der nächste Schritt wurde uns gerade vermeldet. Inzwischen haben wir die höchsten Energiepreise in Europa. Das Postporto ist den letzten 5 Jahren um gut 25% angehoben worden. Die Nutzung unserer Handys, also die Surfkosten, sind hier nicht nur höher als in allen anderen europäischen Länder, wir kriegen dafür auch noch entschieden weniger Download-Kapazitäten.

Und der Glasfaserschluss der Haushalte liegt bei uns bei 2% – in Spanien z.B. bei 50%. Das breite Gebiet der Defizite unserer medizinischen Betreuung lasse ich hier mal aus. Jeder sammelt seine Erfahrungen. Noch ein Thema betrifft die Bewohner dieses Landes flächendeckend – der Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Die Mieten steigen stetig und teilweise aberwitzig hoch. Dazu kommt die Willkür, die von manchen Vermietern an den Tag gelegt wird. Wohl auf kaum einem Gebiet, wie das des Wohnungsmarktes, wird das Wesen kapitalistischer Ordnung deutlicher. Wohnungsmangel kannte man in der DDR auch schon. Übrigens führten die aufgelegten Wohnungsbauprogramme dazu, dass bis 1989 fast jeder Bürger einen angemessenen Wohnraum hatte. Dann kam die Wende und die Karten wurden neu gemischt. Derzeit fehlen etwa 2 Millionen Wohnungen, knapp doppelt so viele wie vor 50 Jahren in der DDR.

In Berlin wurde von der Großen Koalition ein neuer 4-Jahres-Plan beschlossen, der besagt, dass die Zahl der neugebauten Wohnungen pro Jahr um 20% steigen solle. Bereits im ersten Jahr waren es nur 2,6% Steigerung. Wir werden sehen. Mietbremse, Spekulationsverbot usw. haben ihre Wirkung verfehlt. Der Berliner Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte als Fraktionsvorsitzender im Abgeordnetenhaus die Privatisierung der Wohnungen durchgesetzt. Das brachte der verschuldeten Stadt 2 Milliarden Euro ein. Heute will er die Wohnungen zurückkaufen, was nun mindestens 14 Milliarden kostet. Das ist doch mal Geschäft – natürlich nicht für Berlin. Aber zum Beispiel für die Vonovia – der Wohnungskonzern und Marktführer, dem Aktionäre wie Blackrock ungeahnte Renditen verdanken. Aus einst gemeinnützigen Wohnungsverwaltern wie der Deutschen Rentenversicherung, ist ein privater Goldesel geworden. Die Schlagzeile der Wirtschaftsnachrichten von heute lautete:“Venovia schlägt DAX“. Waren 1990 noch 2,87% aller Wohnungen Sozialwohnungen so werden es 2020 nur noch 1,07% sein.

Der folgende Ausschnitt aus „Die Anstalt“ vom 23.10.2018 bringt es auf den Punkt.

„Explodierende Mieten sind Enteignung und Lohnraub“, hat Parteichefin Katja Kipping gesagt.

 

Buchempfehlungen

Jochen Buchsteiner

Die Flucht der Briten aus der europäischen Utopie

Flucht-der-Briten-aus-der-europaeischen-Utopie-190503101237 Europa irrt, wenn es den Brexit als Betriebsunfall betrachtet. Die Briten, heißt es auf dem Kontinent, befinden sich auf einem Irrweg. Mit dem Abschied von der EU hätten sie ihren Ruf als vernünftige, pragmatische Nation verspielt. Stimmt das? Oder erleben wir gerade das Gegenteil: dass unsere Nachbarn ihren sprichwörtlichen «Common Sense» nur neu und kühn vermessen? Jochen Buchsteiner nimmt in diesem pointierten Buch den Brexit unter die Lupe und kommt zu dem Ergebnis, dass er gar nicht so irrational ist. Auch wenn er die Geschäfte auf beiden Seiten des Kanals erschwert – er fußt auf nachvollziehbaren und redlichen Motiven, die in der Nationalgeschichte und in der Geographie des Königreichs wurzeln. Buchsteiner analysiert dieses «Anderssein», das die Briten leidenschaftlicher auf die Freiheit und kühler auf Europa blicken lässt. Der Brexit, so eine These des Essays, ist nicht das Resultat einer «populistischen Verführung», sondern folgt berechtigter Kritik am Zustand der EU und wehrt sich gegen Fehlentwicklungen des «liberalen Modells». Indem die Briten ihre Souvernität und Identität über den Wohlstand stellen, kehren sie die Prioritäten einer europäischen Einigungslogik um, die in der Krise steckt. Niemand, schreibt Buchsteiner, kann wissen, wohin der Aufbruch der Briten führt. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Insel eine Entwicklung vorwegnimmt, die dem Festland noch bevorsteht. Die Europäer sollten mit Neugier und Demut reagieren, nicht mit Spott und Strafe. Großbritannien den Abschied so schmerzhaft wie möglich zu machen, ist unsouverän und kurzsichtig. Die Skepsis am Status quo, die dem Brexit zugrunde liegt, wächst auch in den Reihen der verbleibenden Mitgliedstaaten. Wenn der britische Abschied nicht das Ende der EU einleiten soll, muss sie Lehren aus ihm ziehen und umsteuern.

Professor Stelter schreibt in seinem Buch:„Eine weitere interessante Spur findet sich in der Antwort der Bundesregierung (Bundestagsdrucksache 19/7190) auf eine Linken-Anfrage. Danach ist der US-Vermögensverwalter Blackrock, in dessen Diensten unter anderem der frühere CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Friedrich Merz steht, an 112 deutschen Aktiengesellschaften beteiligt. Das ist eigentlich nicht weiter schlimm, aber etwas fällt auf, wie im Bundestags-Pressedienst recht trocken festgestellt wird: „Die Anteile von Blackrock an den meisten Gesellschaften betragen durchweg weniger oder etwas mehr als fünf Prozent. Besonders hoch sind die Anteile von Blackrock an Wohnungsbaukonzernen wie Deutsche Wohnen (10,28 Prozent), LEG Immobilien (10,18 Prozent) und Vonovia (8,25 Prozent).“

Nur jammern über hohe Mieten bringt gar nichts. Man muss auch wissen, wo die Ursachen dieser Entwicklungen liegen. Ein Grund ist bekanntermaßen das Gelddrucken der Europäischen Zentralbank (EZB), wodurch billiges Geld in den Immobilienmarkt strömt. Das reiche Deutschland erlebt gerade, dass die Fehlpolitik, besonders der letzten 10 Jahre, zum Einen auf Versprechungen aufgebaut war, die nicht zu finanzieren sind und, was noch viel schlimmer ist, dass die Staatsverschuldung auf Kosten interner Einsparungen abgebaut wurde. Die marode Infrastruktur fliegt uns gerade um die Ohren. Nehmen wir defekte Schienen, Brücken, Straßen, Wasserstraßen, Schleusen, Schulen, Kliniken……. Die Ausbildung von Facharbeitern und Ingenieuren wurde vernachlässigt. Jeglicher Anreiz für echte handwerkliche Arbeit – die Wertschätzung dieser Arbeit – wurde komplett Gestrichen: Verachtet mir die Meister nicht – heißt bei Wagnerin den “Meistersinger von Nürnberg“.

_____Libretto – 3. Akt – Hans Sachs:_____________

Verachtet mir die Meister nicht,
und ehrt mir ihre Kunst!
Was ihnen hoch zum Lobe spricht,
fiel reichlich Euch zur Gunst.
Nicht Euren Ahnen, noch so wert,
nicht Eurem Wappen,
Speer noch Schwert,
daß Ihr ein Dichter seid,
ein Meister Euch gefreit,
dem dankt Ihr heut Eu’r höchstes Glück.
Drum, denkt mit Dank Ihr dran zurück,
wie kann die Kunst wohl unwert sein,
die solche Preise schliessest ein?
Das unsre Meister sie gepflegtgrad
recht nach ihrer Art,
nach ihrem Sinne treu gehegt,
das hat sie echt bewahrt:
blieb sie nicht adlig, wie zur Zeit,
da Höf und Fürsten sie geweiht,
im Drang der schlimmen Jahrblieb sie
doch deutsch und wahr;
und wär sie anders nicht geglückt,
als wie, wo Alles drängt und drückt,
Ihr seht, wie hoch sie blieb im Ehr:
was wollt Ihr von den Meistern mehr?
Habt Acht! Uns dräuen üble Streich: –
zerfällt erst deutsches Volk und Reich,
in falscher welscher Majestätkein Fürst
bald mehr sein Volk versteht,
und welschen Dunst mit welschem Tandsie
pflanzen uns in deutsches Land;
was deutsch und echt, wüßt keiner mehr,
lebt’s nicht in deutscher Meister Ehr.
Drum sag ich Euch:ehrt Eure deutschen Meister!
Dann bannt Ihr gute Geister;
und gebt Ihr ihrem Wirken Gunst,
zerging in Dunstdas heil’ge röm’sche Reich,
uns bliebe gleichdie heil’ge deutsche Kunst!

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keine Anreize für das Handwerk

Wohin dieses Versagen geführt hat, das erlebt jeder, der mal einen Klempner, Maler…..braucht. Die Universitäten sind voll mit Studenten, die für nicht benötigte Berufe ausgebildet werden. Politik- und Medienwissenschaftler gibt es zu Hauf und so viel BWL-er, dass man noch Taxis anschaffen muss, damit die dann alle mal unterkommen. Die Umverteilung von fleißiger Hände Arbeit zu nutzlosen Funktionären geht weiter.

So wundert es dann nicht, dass der Politnachwuchs, der nie auch nur einen Finger in der Praxis krumm gemacht hat, zu Entschlüssen kommt, die er eigentlich gar nicht einschätzen kann. Dafür gibt es in Deutschland über 250 Gender-Lehrstühle und Gender-Zentren…… Der Bund hat u.a. rund 900.000,- Euro für eine Studie der Willkommenskultur ausgegeben, deren Ergebnis- und Erkenntnisse ihnen jeder auf der Straße, der mit wachen Augen unterwegs ist, hätte benennen können. Aber solche Beispiele gibt es natürlich viele. Manch eine Fernsehsendung bringt davon immer neue Absurditäten. In der Summe zusammen gerechnet vergeht einem das Lachen dann doch und wir sollten das nicht unterschätzen. Noch eine enorm hohe Zahl sei genannt. Jährlich fließen gut 600,- Mio Kindergeld von uns auf ausländische Konten.

Zu einem erheblichen Teil an Kinder, deren Existenz nicht nachzuweisen ist oder, die noch nie in Deutschland waren. Wir leisten uns was und können es eigentlich nicht mehr. Die deutsche Politik brüstet sich mit einer hohen Exportquote – stimmt. Möglich macht dies ein schwacher Euro und der Export in hoch verschuldete Länder. Professor Stelter sagt:“Der Euro ist ein Subventionsprogramm für unseren Export.“ Von Nachhaltigkeit ist keine Rede. Die letzte Finanzkrise hat bei uns bis zu 600 Milliarden vernichtet. Die Experten warnen in einer Vielzahl aktueller Veröffentlichungen vor dem nächsten Crash, der dann bestimmt noch gründlicher wird. Die Sparer in Deutschland haben nach Berechnungen der Comdirect Bank und des Finanzdienstleisters Barkow Consulting durch die Nullzinspolitik der EZB allein im ersten Halbjahr 2018 rund 17 Milliarden Euro an Zinsen verloren. Hiermit möchte ich meine Aufzählung beenden obwohl es noch endlos mehr Beispiele gäbe. Wichtig ist es, zu verstehen, dass die stetige Erhöhung der Preise und Kosten kein natürlicher, dem normalen Marktverhalten entsprechender Vorgang ist, sondern durch Inflation begründet und politisch gewollt. Abgaben, Gebühren, Steuern, Beiträge, die bereits angekündigte Erhöhung der Steuern für Haus- und Grundstücksbesitzer sind keine marktüblichen Folgen die durch Veränderungen von Angebot und Nachfrage.

Nochmal Zitat Prof.Stelter:

„Preissteigerungen auf breiter Front, quer durch alle Branchen, sind nämlich weder ein Naturphänomen, noch sind sie den Umtrieben gieriger Plutokraten geschuldet, sondern ausschließlich die Folge einer Ausweitung der Geldmenge. Würde die Mehrheit der Wahlberechtigten das begreifen, käme es der Nomenklatura höchst ungelegen. Die macht nach dem Motto: „Haltet den Dieb!“ für die Preisinflation viel lieber gierige Unternehmer und Spekulanten verantwortlich. Für die Regierenden ist es einfach komfortabler, das Publikum im irrigen Glauben zu lassen, gierige Finanzjongleure und der ruchlose Turbokapitalismus seien für die dramatische Preisinflation in bestimmten Segmenten verantwortlich und nicht etwa die inflationäre Geldpolitik.Preissteigerungen, Lohnerhöhungen, die durch die kalte Progression entwertet werden, und eine immer weiter verschärfte Inflation sorgen dafür, dass der Massenwohlstand sukzessive erodiert.“

Der Euro ist ein Segen. Die EU ist eine mächtige Wirtschaftsgemeinschaft zum Wohle aller. Und Trump macht alles falsch. Drei Kernsätze, die von Predigern des Segens der EU, wie sie ist, wie ein Mantra vorgetragen werden. Seltsam nur, dass gerade wieder alle Fakten gegen das ewige Gebet von der Kraft schaffenden Gemeinschaft sprechen: Während der geschmähte US-Präsident Trump gerade ein Wachstum der US-Wirtschaft von vier Prozent verkünden konnte, meldet das EU-Statistikamt Eurostat nach einem Rückgang des Wachstums des Bruttoinlandsprodukts der Euro-Zone auf nur noch 0,4 Prozent im ersten Vierteljahr 2018 auch für das zweite Quartal einen Rückgang auf nun nur noch 0,3 Prozent.

Das liegt natürlich, diese Erklärung wird kommen, an der „Unsicherheit“, die Trump mit seinen ganzen Handelskriegen, Zöllen und Kriegsdrohungen entfacht. Im Moment meldet erst mal noch keines der großen Blätter überhaupt etwas von der Wachstumsdelle, nur ein paar Spezialseiten üben sich in der Disziplin, Zahlen nahe Null als Verlust an „Dynamik“ darzustellen. Erstaunlich zwar, dass die US-Wirtschaft davon unbeeindruckt wächst. Doch noch erstaunlicher: Auch die Nicht-Euro-Länder werden offenbar weniger von der „Unsicherheit“ beeinträchtigt als die Euro-Staaten. Sie hieven das Gesamtwachstum Europas auf 0,4 Prozent im zweiten Vierteljahr. Zusammengerechnet könnte die EU damit am Jahresende auf ein Ergebnis von 1,6 Prozent kommen – weit weniger als die Hälfte dessen, was Trump feiert.Mit Ausnahme des Öls ist der größte Anteil an den Preisanstiegen inflationsbedingt. Die Ursache ist die seit bald zehn Jahren praktizierte „lockere Geldpolitik“ der EZB, die Euros in einem Maß in Umlauf bringt, wie es das noch nie zuvor gegeben hat.“

Wir stehen kurz vor der Europawahl und werden bombardiert mit Parolen und Plakaten, die uns auf EU – Kurs bringen sollen. Wirkliche Unruhe sehe in der Bevölkerung noch nicht. Vielmehr eine Resignation, Müdigkeit und den Rückzug ins Private. Na dann. Weiter so?

Der Tagesspiegel berichtet über den Verlauf des 1.Mai`s in Berlin:

Zitat: das ist mal wieder typisch Berlin – auch die Revolution vom 1. Mai 2019 wurde verschoben und alle sind zufrieden: Polizeipräsidentin Slowik, weil ihre Taktik aufging (Gefühl und Härte) und es weitgehend friedlich blieb, die gemäßigte Linke, weil sie ihr Top-Thema Wohnen am Tag der Arbeit herausstellen konnte, die Pyrotechnikhersteller (die radikale Linke ist ein verlässlicher Kunde), die Villenbesitzer in Grunewald, weil die Demonstranten dort nur mit Schaumstoffsteinen warfen (Motto: „Burn Bratwurst – not Porsches“), der DGB, weil sich am Morgen der Regen verzog und die größten Kundgebungen die der Gewerkschaften waren („Europa. Jetzt aber richtig“). Der RBB vermeldete: Zehntausende feierten in Berlin friedlich das MyFest.

Das trifft es sehr gut – wir wollen alle unsere Ruhe haben .?

Christiane Clauss-Ude